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Über die Zäune hinaus
Essay von Dr. Wolfgang Bittscheidt aus dem Buch "Geistiges Heilen in der Ärztlichen Praxis" von Dr. Harald Wiesendanger (Hrsg.) ISBN J-930147-15-07
Donnerstag, 17:30 Uhr. In meinem Sprechzimmer sitzt vor mir eine Unternehmensberaterin - nicht als Patientin, sondern wir wollen ein gemeinsames Projekt besprechen. Sie ist ca. 45 Jahre alt, attraktiv, Erfolgstyp, erfasst schnell das Wesentliche. Unser Gespräch dauert etwa eine halbe Stunde, als sie plötzlich den Kopf in den Nacken legt. Sie dreht ihn nach rechts und links. Ob sie etwa Nackenschmerzen habe, frage ich. "Ja", sagt sie, "wenn ich mich konzentriere, geht's nach etwa 30 Minuten los - seit meinem Unfall damals vor zehn Jahren. Und jede Nacht wecken mich meine Kopfschmerzen."
Ich war seit 25 Jahren Schulmediziner, seit 20 Jahren Arzt für Orthopädie, Chirotherapie und physikalische Medizin, und hatte gerade mein zweites Wochenende einer Ausbildung zum Heiler hinter mir. Wie konnte ich dieser Frau auf die Schnelle helfen? In einer weiteren halben Stunde würde ein Taxi sie zu Flughafen bringen, zur Maschine zurück nach Berlin.
Ich stand auf, trat hinter sie und legte meine Hände auf ihre Schultern. "Entspannen Sie sich. Schliessen Sie die Augen. Lassen Sie einfach die Gedanken los." Sollte es stimmen, dass ich heilende kosmische Energie mit meiner Konzentration auf meine Patienten übertragen konnte? Ich spürte ein starkes Wärmegefühl in meinen Händen. Nach zwanzig Minuten atmete die Patientin tief durch, bewegte ihre Schultern, ihren Nacken, den Kopf. "Es ist wie weggeblasen", sagte sie leise. "Machen Sie Erste Hilfe immer so, Doktor?"
Es klingelte, das Taxi war da. "Sie hören von mir", sagte sie, "und für's erste vielen Dank!" Am nächsten Vormittag rief sie mich an: "Die erste Nacht seit zehn Jahren, in der ich durchgeschlafen habe - wunderbar. Ich möchte bald wiederkommen." Das war ein kleiner Anfang meiner Arbeit mit energetischen (oder geistigen ) Heilweisen. Ich wusste damals noch nicht, was sich mir da therapeutisch und spirituell eröffnet hatte.
Später traf ich Brenda Davies, eine bekannte Psychotherapeutin und Heilerin aus England. Zu jener Zeit war sie Beauftragte des englischen Parlaments für die Koordination von alternativen und konservativen Heilweisen. "Was erreichen wir eigentlich mit unserer heilenden Energie, Brenda? Wo kommt sie her, wie wirkt sie?", wollte ich von ihr wissen. Sie antwortete: "Die Energie, die durch uns hindurch fliesst und die wir bündeln, ist für mich göttlichen Ursprungs. Für mich ist es "universal energy", denn sie durchdringt das ganze Universum. Wenn wir sie weitergeben, aktivieren wir damit die Selbstheilungskräfte unserer Patienten."
Ich selbst war mit dieser heilenden Energie zunächst als Patient in Berührung gekommen. Mit 26 Jahren, im ersten Jahr meiner ärztlichen Tätigkeit, infizierte ich mich in der Klinikdurch einen gefährlichen Virus. Diese Infektion wurde chronisch, hielt sich aber lange zurück. Mitte der 90er Jahre trat sie in ein aggressives Stadium ein - die Viren hatten das Immmunsystem sturmreif geschossen. Ein Jahr lang wurde ich mit Interferon behandelt - ohne jeden Erfolg. Verzweifelt und körperlich ziemlich am Ende wandte ich mich an einen Heiler und einen Homöopathen. Nach drei Monaten ging es mir viel besser, die Laborwerte normalisierten sich weitgehend. Ich spürte, dass ich bald wieder gesund sein würde. Meinen Heiler fragte ich, ob er mich in seiner Kunst, wie ich es nannte, ausbilden könne. " Ich denke ja", meinte er, "Du hast die Sensibilität und den Glauben".
So begann mein Weg über den Bereich der Schulmedizin hinaus in therapeutische und spirituelle Bereiche, die ich bis dahin nicht einmal geahnt hatte. Irgendwann steuerte ich nun auf die Frage zu, wie ich mich gegenüber meinen Patienten und der Öffentlichkeit erklären sollte. Sage ich jetzt: "Wissen Sie, heute lassen wir die Spritzen einmal weg, statt dessen lege ich Ihnen die Hände auf", dann machte ich mich vielleicht unglaubwürdig, oder ich schade dem energetischen Therapiekonzept mehr als ich ihm nutze, und Patienten und Kollegen werden denken, jetzt hat er abgehoben".
Also suchte ich nach Erklärungsmöglichkeiten aus dem naturwissenschaftlichen Bereich. Bei Deepak Chopra las ich vom Begriff der Quantenheilung. Ich las Literatur über Quantenphysik, ich las von Energiepartikeln, die erst durch unser Bewusstsein in die Wirklichkeit gerufen werden. Ich las, der Mensch bestehe zu 99,999 % aus Vakuum, und dieses Vakuum enthalte pure Energie - Energie, die wir mit unserem Bewusstsein beeinflussen könnten; und was wir Masse nennen, das seien in Wirklichkeit Energiewirbel im Vakuum. Und schon die Philosophen im alten Griechenland hätten vor 2400 Jahen erkannt, dass wirkliche Existenz nichts Materielles besitze, sondern nur den Bauplan des Materiellen, die Form, die Idee; und schliesslich laute eine Formel aus dem Zen-Buddismus des 14. Jahrhunderts, Materie sei Leere und Leere sei Materie.
Zunächst habe ich den Begriff von der heilenden Energie relativ unkritisch benutzt, ich habe ihn während meiner Ausbildung einfach aus dem üblichen Sprachgebrauch der "Heilerszene" übernommen. Die meisten Heiler gehen davon aus, dass sie mit "Energien" arbeiten. Sie lassen die Energie fliessen, sie übertragen Energie, sie arbeiten am Energiekörper oder gleichen die Energie aus (Werthmüller, L., 1999)
Ich verwendete in den ersten Jahren meiner Beschäftigung mit geistigen Heilweisen die Begriffe vom geistigen und energetischen Heilen sogar synonym, in meinen Vorträgen sprach ich häufig von "unserem subtilen Arbeitsmedium, der Energie". Der Energiebegriff findet sich in ganz unterschiedlicher, mehr oder weniger spezieller Definition und Interpretation im Bereich der Naturwissenschaften, der Parapsychologie und des esoterischen Schrifttums. Jedoch ist der Begriff Energie auch ein philosophischer Begriff, so dass ihn Aristoteles für jede Art von Kräften benutzt, die eine Realität erschaffen oder umgestalten. Und schon allein deshalb halte ich heute den Begriff der Energiearbeit im Zusammenhang mit geistigen Heilweisen für unerlässlich, da sich unter diesem Begriff in der Öffentlichkeit eine - wenn auch zunächst sehr vage - Vorstellung dessen durchgesetzt hat, was die Wirkungsweise geistigen Heilens erklärt.
Je näher ich mich auf ein Gespräch mit Biophysikern einlasse, umso mehr wird mir klar, dass die von uns überwiegend unbewusst eingesetzten Kräfte mit dem Energiebegriff der herkömmlichen Physik und der Quantenphysik wenig zu tun haben. Ich glaube, dass wir mit dem Modell des "Informationsprinzips" im Aufzeigen einer Parallelität zur konkreten Naturwissenschaft wesentlich weiter kommen.
Sehr gern wird die Biophotonenforschung von Fritz Albert Popp als Beispiel eines energetischen Prinzips im Rahmen des geistigen Heilens herangezogen. Dies wird jedoch von Dr. W. Ludwig nicht so gesehen, wenn er schreibt: "Umfangreiche Versuche von F. A. Popp konnten zeigen, dass eine Zelle, wenn sie abstirbt, ihr Licht schlagartig abgibt und die modulierte Strukturinformation an die Nachbarschaft sendet, so dass eine neue Zelle mit gleicher Struktur entstehen kann. Zellen kommunizieren also via Licht. Und dieses Licht nennt man Biophotonen."
Biophotonen könnten sehr wohl Mittler zwischen Geist und Materie sein. Denn das Licht steht an der Schwelle zwischen dem Bereich des sinnlich Fassbaren und physikalisch Messbaren einerseits und dem Bereich der feinstofflichen bis seelisch-geistigen Dimensionen andererseits und kann in beide Bereiche hinein wirken. Dies findet sich nicht nur in esoterischen Traditionen, sondern auch in den quantenoptischen Grundlagen der Biophotonentheorie.
Wenn wir, wie Popp nachweisen konnte, die Photonen anderer Lebewesen aufnehmen können, dann sind wir sicherlich auch fähig, diese Informationen zu nutzen, um unser eigenes Licht zu korrigieren, wenn es seine Ordnung verloren hat. Hier ergibt sich bereits ein Erklärungsmodell für die Wirksamkeit geistiger Heilweisen. Wir senden Biophotonen aus, die andere Lebewesen aufnehmen können und geben so Informationen weiter, die das Licht in den kranken Zellen eines Empfängers zu korrigieren vermögen.
Da ich von der Schulmedizin her ein relativ systematisches Arbeiten auch im begrifflichen Bereich gewohnt war, suchte ich auch nach einer genaueren Erklärung für den Begriff des geistigen Heilens. Hierbei kam mir eine Definition von H. Wiesendanger (1997) sehr zur Hilfe: "Geistiges Heilen ist ein Oberbegriff für Verfahren, die beinahe nichts verbindet bis auf eine einzige Gemeinsamkeit, die blosse Intention zu heilen reicht offenbar häufig aus, Leiden entgegen ärztlichen Prognosen zu lindern oder sogar zu beseitigen; dabei werden keinerlei therapeutische Mittel eingesetzt, die nach gegenwärtigem medizinischem Erkenntnisstand wirksam sein könnten.Was heilt, scheint purer Geist."
Mit dem Begriff des Geistigen an der Berührungsstelle mit dem Materiellen kommen wir auf sehr einleuchtende Weise in Berührung, wenn wir uns mit dem Begriff der "Quantenheilung" bei D. Chopra1 befassen. Wesentlicher Inhalt der Quantenphysik ist ja die Tatsache, dass wir nicht mehr zwischen rein geistigen und rein materiellen Strukturen unterscheiden können. Die Grenzen sind fliessend geworden. Im Grenzbereich bzw. in der Berührungsstelle zwischen Geist und Materie scheint ein wesentlicher Teil geistigen Heilens stattzufinden. Information wird in naturwissenschaftliche, physikalisch oder biologisch oder biochemisch fassbare Prozesse übertragen.
Ich persönlich glaube, dass sich gerade in diesem Grenzbereich der Einfluss einer alle Lebensvorgänge steuernden übergeordneten Intelligenz manifestiert. Hierin sehe ich die spirituelle Dimension des Heilens. Ich selbst kann ohne die spirituelle Dimension des Heilens nicht arbeiten. Aber ich kann jeden Menschen dort abholen, wo ich ihn vorfinde, wenn er zu mir kommt.
Glaubt er an die Einwirkung des göttlichen, so brauche ich ihm nicht mehr viel zu erklären. Ist er diesem Aspekt gegenüber skeptisch, so erkläre ich ihm einige naturwissenschaftliche Ansatzpunkte unserer geistigen Heilarbeit, und irgendwann führen auch diese zu einem göttlichen Ursprung.
In meiner grossen Kassenarztpraxis, die über etliche Jahre im Wesentlichen schulmedizinisch orientiert war, konnte ich mir nicht plötzlich ein anderes Schild an die Türe hängen; so habe ich diese Praxis an einen jüngeren Kollegen abgegeben. Seitdem arbeite ich in meiner kleineren Privatpraxis mit den Schwerpunkten Orthopädie, Chirotherapie und Geistige Heilweisen.
Sozusagen am Rande habe ich auch vorher mit geistigen Heilweisen gearbeitet, bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen, bei rheumatischen Leiden, bei Entzündungen der Gelenke, bei Migräne und chronischem Kopfschmerz. Selbst bei akuten Bandscheibenschäden lassen die schlimmen Schmerzen erheblich nach, Sensibilitätsstörungen und beginnende Lähmungen verschwinden.
Von meinen zuvor schulmedizinisch behandelten Patienten höre ich oft die Frage: "Was kann ich denn noch machen? Gibt es denn nichts, was mir noch helfen könnte?" Oft ist immer dort mein Einstieg für den Vorschlag: "Lassen Sie's uns mit geistigem Heilen versuchen.Es stärkt ganz wesentlich Ihre Selbstheilungskräfte." Ich erkläre dann Parallelen zur Akupunktur, zum Autogenen Training. Selten lehnt ein Patient diesen Behandlungsvorschlag ab.
Eine ältere Dame kam nach einem Vortrag zu mir. "Wissen Sie, das hat mich jetzt sehr beeindruckt. Was glauben Sie, wie vielen Menschen von unserer üblichen Medizin nicht mehr geholfen werden kann? Mir hat man auch schon gesagt: Damit müssen Sie leben...in Ihrem Alter...da kann Ihnen kein Mensch helfen." Das ist oft der Tenor in Diskussionen, Klagen und Fragen nach meinen Vorträgen. Diese Menschen, die sich durch ihr Leben kämpfen, die durch die Mühle all dessen gegangen sind, was wir Ärzte Ihnen bieten können, haben manchmal die Hoffnung auf Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensfreude verloren.
Die Schulmedizin ist eben nicht vollkommen. Und die energetischen Heilweisen sind auch nicht vollkommen. Und die ganze andere alternative Medizin ist auch nicht vollkommen.
Es gibt grosse Wissenschaftler. Es gibt grosse Chirurgen. Es gibt grosse Heiler. Aber wir alle, die wir Heilung anbieten, sind Menschen, und Menschen sind nicht vollkommen. Und wir müssen uns immer wieder fragen: Bieten wir Heilung oder bieten wir Behandlung an? Sicher ist es ein Irrtum zu glauben, dass Patienten schon deshalb geheilt sind, weil Ihre Krankheiten behandelt worden sind. Ein Patient, der auf Behandlung aus ist, provoziert schliesslich ein endloses Aneinanderreihen von immer neuen Behandlungsversuchen.
Heilen bzw. Geheiltwerden jedoch setzt ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Hilfesuchenden oder in Not geratenen Mensch und dem Arzt oder Heiler voraus. Als Ärzte, Heilpraktiker und Heiler sind wir zwar nie vollkommen, ebenso wenig wie als Menschen, aber dem Vertrauen unserer Patienten, dass wir unser Bestes zu geben bereit sind, sollten wir entsprechen.
Und wenn wir in diesem Bemühen alle zusammen arbeiten, wenn wir alle uns gegenseitig anerkennen und nicht verurteilen, haben wir den ersten Schritt getan auf dem Weg in eine ganzheitliche Medizin, die die guten Standards der Schulmedizin ebenso einschliesst wie das Heilen am Grunde des Menschen und des Lebens, an der Schnittstelle von Geist, Seele und Körper.
Wenn wir unsere Arbeit so verstehen, werden wir selbst wieder heiler und die Menschen, die sich uns anvertrauen, werden heiler werden. Wir können ihnen dabei helfen, wen n wir unsere Zäune übersteigen und uns auf den Weg machen zu unseren Kollegen, Partnern im Heilen und zu denen, die noch innerhalb ihrer Zäune arbeiten und noch keinen Blick nach Aussen tun. Und hätten wir das ganzheitliche Heilungskonzept schon gefunden, dann wären auf unseren Gesundheitsmessen nicht hundert Stände, an denen alle etwas anderes erzählen, sondern dann gäbe es einen einzigen grossen Stand, an dem hundert Leute dasselbe sagen.
Ich weiss, wie unverzichtbar ein tüchtiger Notarzt ist, der an einen Unfallort mit vier Schwerverletzten kommt. Ich weiss, welche Vorteile ein Chirurg für einen Patienten hat, dessen Appendix kurz vor dem Durchbruch steht. Ich weiss aber auch, welche Vorteile Geistiges Heilen hat.
Die Literatur ist voll von Beispielen, in denen Patienten von der modernen Medizin aufgegeben waren - und dennoch überlebten, gesund wurden, Behinderungen verloren, sich in ihrem Leben wieder zurecht fanden. Man spricht dann oft von einem "Wunder". Wunder nennen wir etwas, was wir nicht erklären können. Aber die Wirksamkeit Geistigen Heilens können wir recht gut erklären. Und was das Vertrauen der Menschen anbelangt: Fragen wir doch hundert Patienten, wie der Reizstrom wirkt, den ihr Arzt ihnen verordnet hat. Kaum einer weiss es. Aber sie glauben daran.
Warum gehe ich zu einem bestimmten Zahnarzt? Nicht weil ich ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut habe, sondern weil er mir empfohlen worden ist. Ohne Vertrauen geht es nicht. Es geht auch nicht ohne Vertrauen in die Effizienz eines Heilers, sonst geht nämlich keiner zu ihm. Vor zehn Jahren sagte noch fast jeder in unserem westlichen Kulturkreis: "An Akupunktur muss man glauben, sonst funktioniert sie nicht." Heute ist die Wirkungsweise klar, und die dabei wirksamen Strukturen sind bis in die elektronenmikroskopisch kleinen Dimensionen hinein entschlüsselt.
Wissen wir, was uns an Erkenntnissen über die Wirksamkeit Geistiger Heilweisen noch ins Haus steht? Auch die Chirotherapie war lange eine empirische Therapiemethode, und dennoch wurde sie im Laufe der Jahrtausende nicht über Bord geworfen. Im Altertum wurde sie von Hippokrates hervorgehoben und ist in seinen Schriften überliefert.
Wir erinnern uns: Etwa 400 v. Chr. gründete Hippokrates im klassischen Griechenland eine Ärzteschule. Im Mittelalter und der Neuzeit war Chirotherapie eine Heilmethode, die von Feldscheren, Badern und Masseuren ausgeübt wurde. 1966 wurde Chirotherapie auf Beschluss des Deutschen Ärztetages hin zur offiziellen Zusatzbezeichnung einiger Facharzttitel. Und heute ist die Neurophysiologie der Gelenksteuerung, auf die wir mit unseren therapeutischen Grifftechniken Einfluss nehmen können, entschlüsselt.
Einen ähnlichen Weg könnten die geistigen Heilweisen nehmen. Vor rund 15.000 Jahren wurden sie erstmals dokumentiert, heute wird ihr Erfolg vielfach experimentell belegt und immer wieder bestätigt, und die Grundlagenforschung hat bereits wesentliche Bausteine ihrer Wirkungsweise entschlüsselt.
Geistiges Heilen erfasst den ganzen Menschen - nicht nur ein Organ oder Organsystem. Sonst gäbe es Fachheiler für XY, ebenso wie es Fachärzte für XY gibt. Geistiges Heilen, vom Könner ausgeführt und von Gott unterstützt, heilt umfassend: die Seele des Menschen, seinen Geist, seinen Körper.
Deshalb müsste es auch eine übliche Ergänzung zu ärztlichen Massnahmen sein. Gefährliche Nebenwirkungen gibt es dabei nicht. Die universelle Energie, in der richtigen Motivation angewandt, kann nur helfen, niemals schaden.
Da wir uns in einer Zeit kleiner werdender Mittel unserer Sozialsysteme befinden, müssen wir uns auch die Kostenseite ansehen, müssen uns fragen, ob wir uns eine bestimmte Therapie auf breiter Ebene leisten können, ob sie uns hilft, Kosten einzusparen - oder ob sie eine neue Kostenspirale in Gang setzt. Die Gesundheitsreformen der letzten Jahre, die wir in Deutschland erlebt haben, wurden durchgeführt unter der Erfordernis der Kostenersparnis.
Die bei uns vorherrschende Anwendungsmedizin jedoch hat sich nur unwesentlich eindämmen lassen. Mit einem gewissen Recht fordern die Versicherten in den "Genuss" dessen zu kommen, was die moderne medizinische Wissenschaft zu Verfügung stellt.
Es wird hohe Zeit, dass die Anwendungsmedizin durch eine Zuwendungsmedizin ergänzt wird, dass wir die Schuldmedizin durch eine spirituell-energetische oder spirituell-informative ganzheitliche Komponente erweitern.
Von einer ganzheitlichen Komponente können wir deshalb sprechen, weil wir mit dieser spirituell-energetischen/informativen Ergänzung noch geistig-seelische Phänomene und Therapiebereiche in unsere Arbeit mit einbeziehen.
Die erforderliche Kosten würden sich durch ein solch ganzheitliches Reformkonzept nahezu im Parallelzug einsparen lassen.
Nichts, so schätze ich, würde unseren Krankenversicherungen mehr Geld einsparen, als Geistiges Heilen zu finanzieren. Denn Geistiges Heilen heilt die Wurzeln unserer somatischen und psychischen Krankheiten, die in uns selbst liegen, in unserem Alltagsstress, in unseren Enttäuschungen, in unseren Unzufriedenheiten, in unseren Lebensängsten und unseren Depressionen, in unseren Einsamkeiten.
Und in welchem Bereich unserer Therapiesysteme gibt es so viel Menschlichkeit, soviel Zuwendung, so viel Angenommenwerden und - wenn wir uns auf den Ursprung besinnen - soviel Göttlichkeit?
Jeder Gesundheitspolitiker müsste glücklich auf diese Chance setzen, und ich denke, wir ständen vor einer Kostenimplosion im Gesundheitswesen, vorausgesetzt, wir können unterscheiden zwischen "Scharlatanen, Möchtegerns und echten Könnern".
Einige Tage vor Weihnachten 1999 kam eine Heilerin zu mir, bei der kernspintomographisch ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule diagnostiziert worden war. Ihr Orthopäde hatte sie sofort in die Neurochirurgie zur Operation schicken wollen. Ich untersuchte sie und fand ein Taubheitsgefühl in Teilen ihres linken Unterschenkels sowie eine Schwäche beim aktiven Heben ihres Fusses, wie es beim Gehen nötig ist.
"Weisst Du," meinte sie, "ich will mich nicht operieren lassen, und über Weihnachten in der Klinik liegen, das will ich auch nicht. Was würde meine Familie dazu sagen? Nun kann ich mir selber schlecht die Hände auflegen. Und die Schmerzmittel meines Orthopäden helfen mir auch nicht mehr. Kannst Du es versuchen?"
Ich erklärte ihr, dass ihr Arzt völlig recht habe. Ein akuter Bandscheibenvorfall mit begleitender Lähmung müsse eigentlich sofort operiert werden - trotz Familie, trotz Weihnachten. "Ich habe auch noch nie gesehen, dass so etwas passend kommt. Bei jedem kommt es immer unpassend.", meinte ich.Aber ich wollte es versuchen, unter sehr sorgfältiger und kritischer Beobachtung der aktuellen klinischen Symptome.
An fünf aufeinanderfolgenden Tagen setzte ich ihr einige Akupunkturnadeln und legte ihr die Hände auf. Ich arbeitete damals zum ersten Mal mit der Vorstellung, dass die universelle Energie über die Nadeln zu den Energiemeridianen fliesse und so noch intensiver ihre heilende Wirkung entfalte, als wenn jede Methode für sich angewandt würde. In diesen fünf Tagen liessen zunächst die Schmerzen nach.
Am dritten Tag begann sich die Fusshebeschwäche zurückzubilden. Und am fünften Tag hatte auch das Taubheitsgefühl wesentlich nachgelassen. Die Einnahme von Schmerztabletten ging um weit über die Hälfte zurück. Ich habe kein neues Kernspintomogramm mehr anfertigen lassen. Es wäre nur von akademischem Interesse gewesen. Die Entwicklung der Symptome sprach für sich. Was hatten wir der Patientin erspart? Eine Bandscheibenoperation (Nukleotomie). Eine dreiwöchige Anschlussheilbehandlung in einer Rehabilitationsklinik. Schmerzmittel. Infusionen.
Dagegen standen die Kosten für fünfmal Geistiges Heilen und fünfmal Akupunktur. Ersparnis: einige tausend Euro. Ich kenne aber auch andere Fälle: Da hat Geistiges Heilen nicht nur einige tausend Euro erspart, sondern Chemotherapie, Bestrahlung, Siechtum, Tod. Oder eine jahrelange Psychotherapie. Oder den Zerfall einer Familie. Oder eine bis zur tödlichen Neige durchlebte Sucht.
In dem, was ich therapeutisch für vertretbar halte war ich nie einseitig. Ich habe nie nur mit e i n e r Methode gearbeitet. Und das brauchen wir auch, wenn wir uns als Ärzte dem Geistigen Heilen zuwenden. Zum Besten unserer Patienten sollten wir uns in der modernen Diagnostik auskennen. Ebenso müssen wir mit der Palette herkömmlicher Therapieverfahren umgehen können und unsere Patienten entsprechend beraten können.
Aber wir dürfen uns auch auf das Wirken heilender ganzheitlicher Therapiekonzepte einlassen; ob wir sie nun energetisch, informativ, spirituell nennen; wir arbeiten jedenfalls mit geistigen Informations- und Ordnungsinhalten, die sich transformierend und damit heilend auf eine gestörte Psyche oder einen gestörten Körper auswirken können. Wir können uns dabei mit Sicherheit auf die volle Unterstützung der Kräfte verlassen, die uns aus der geistigen Welt als Hilfe zur Verfügung stehen. So sollten wir nicht mehr nur Apparaten vertrauen, sondern auch der ältesten und zugleich modernsten Hilfe, welche das Universum für uns bereit hält.
In diesem Sinne, aber ohne überhaupt zu wissen, welchen gedanklichen Kontext sie damit berührte, sagte mir eine Ärztin für Innere Medizin, Onkologie und Hämatologie: "Wissen, Sie, im Bereich der Onkologie haben wir es natürlich sehr häufig mit sehr kranken Menschen zu tun, die oft im Endstadium ihrer tödlich verlaufenden Krankheit stehen. Und immer dann, wenn ich an die Grenzen dessen stosse, was ich mit meiner ärztlichen Arbeit noch erreichen kann, wende ich mich mit einem noch viel stärkerem Mitgefühl diesen Patienten zu. Gerade in diesem Stadium komme ich ihnen menschlich näher als ich es in der Zeit vorher gewesen bin. Und fast immer mache ich dann die für mich erstaunliche Erfahrung, dass es auch im körperlichen und seelischen Befinden der Patienten zu einer deutlichen subjektiv und objektiv feststellbaren Besserung kommt."
Ich glaube nicht, dass diese hochspezialisierte und sehr fähige Ärztin sich jemals mit geistigen Heilweisen auseinandergesetzt hat; aber den Sinn dieser Heilweisen hat sie vortrefflich beschrieben.
Die Forschung liefert seit langem und immer mehr Hinweise für die Wirksamkeit geistiger Heilweisen; und von Larrey Dossey, Internist und Vorstandsmitglied des National Institute of Health, USA, stammt der Satz: "Eines der bestgehüteten Geheimnisse der medizinischen Wissenschaft ist die Existenz umfangreicher experimenteller Beweise für geistige Heilung."
Was sollte ein Heiler mitbringen, um für einen Arzt zum akzeptablen Partner zu werden? Nun, er sollte dort weiterhelfen können, wo der Arzt an seine Grenzen stösst. Er sollte eine ganzheitlich heilende Begleitung für den Patienten sein. Er sollte den Patienten stärken, wo die Krankheit ihn schwächt. Und natürlich sollte er über anatomische, physiologische und pathologische Zusammenhänge nicht ganz desinformiert sein.
Und beide, Arzt und Heiler, sollten im Dienste ihrer Patienten bereit sein, von dem Podest ihres beruflichen Egos herabzusteigen und den Weg zum jeweils anderen anzutreten.
Dann werden wir erleben, wie alternative und konservative Medizin nicht mehr nebeneinander herlaufen, sondern einander ergänzen und ineinander greifen; und wir werden erleben, dass unsere Welt gesundet. Im Idealfall sollten viele Ärzte auch Heiler sein und viele Heiler sich zu Ärzten oder Heilpraktikern ausbilden lassen.
Die Vision vom ganzheitlichen Heilen ist nicht möglich ohne Geistiges Heilen und für mich auch nicht ohne die Errungenschaften der konservativen Medizin. Ich bin dankbar, auf dem einen wie dem anderen therapeutischen Bein stehen zu können. Wenn viele mit mir diesen Weg gehen, dann wird schliesslich die Vision vom ganzheitlichen Heilen Wirklichkeit werden.
Dr. med. Wolfgang Bittscheidt
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